Dienstag, 05.02.13:
Nach ausgiebigen Vorbereitungen startete ich meine Reise zur Gardenroute in Südafrika per Bahnfahrt von München nach Frankfurt am Main. Üblicherweise finden Flüge von Europa nach (Süd)-Afrika nachts statt, was den Vorteil hat, dass man die Flugzeit dank fehlender Zeitverschiebung zum Schlafen nutzen kann und somit am Urlaubsort keine Zeit verliert.

Mittwoch, 06.02.13:
Für fünfeinhalb Stunden Schlaf im Sitzen befand ich mich in erstaunlich gutem Zustand. Nachdem ich meinen aufgegebenen Koffer in Empfang genommen hatte, sich die ersten südafrikanischen Rand in meinem Geldbeutel befanden, das richtige Abfluggate recherchiert und das erneute Einchecken inklusive Sicherheitsprozedur absolviert war, verblieben bis zum Einstieg nur noch etwa zwanzig Minuten. Die letzte Etappe meisterte ich ebenfalls problemlos. Gegen 13:35 traf ich im Kapstädter Flughafengebäude ein.
Mit meinem Gepäck steuerte ich nun die Mietwagenstation an. Ich bekam einen schnuckeligen Honda Jazz in azurblau ausgehändigt. Nachdem ich mich mit den wichtigsten Funktionen vertraut gemacht hatte, startete ich den Motor. Auf dem Beifahrersitz lag die Wegbeschreibung vom Flughafen zum Quartier, die mir meine Reiseveranstalterin zur Verfügung gestellt hatte. Unsicher, wie ich war, rollte ich wie ein Fahranfänger vom Parkplatz, immer mit dem Gedanken „links fahren, links bleiben!“ Die gebuchte Automatik erleichterte mir die Umstellung auf den ungewohnten Linksverkehr. Ganz defensiv glitt ich auf der Autobahn Richtung Kapstadt auf der linken Fahrbahn dahin. Die Tachonadel überschritt kaum einmal 70 Stundenkilometer.
Und dann tauchte er auf – der Tafelberg. Welch ein Anblick bei etwa 26° Celsius und wolkenfreiem Himmel! Sofort ließ ich meine Gedanken an das grässliche Winterwetter in München hinter mir. Die Reise konnte beginnen! Die Fahrt bis zum Quartier bewältigte ich in einer knappen halben Stunde, ohne mich einmal verfahren oder jemanden gefragt zu haben. Die Wegbeschreibung entpuppte sich als ausgezeichnete Hilfe.
Nach kurzem Auspacken der wesentlichen Gepäckstücke machte ich mich mit meiner Kameraausrüstung sofort per Linienbus auf den Weg zur Victoria & Alfred Waterfront“, einem gigantischen Einkaufs-, Restaurant- und Hotelkomplex inklusive Seefahrtsmuseum und Salzwasseraquarium, die seit seiner Entstehung Anfang der neunziger Jahre zu einem der attraktivsten Anziehungspunkte Kapstadts avancierte.
Sofort war ich von der Stadt eingenommen. Es herrschte eine positive, freie, lockere Atmosphäre. Keine Spur von Unsicherheit oder gar Angst wegen drohender Überfälle auf Touristen. Ich fühlte mich von der ersten Minute an sicher, nicht zuletzt wegen einer immensen Anzahl an Sicherheitspersonal. Selbst mit umgehängter Kamera und Stativ in der Hand hatte ich nicht die geringsten Bedenken.

Donnerstag, 07.02.13:
Nach einem neunstündigen Erschöpfungsschlaf fühlte ich mich voller Tatendrang. Auf meinem Reiseplan stand der Besuch des Tafelbergs. Dafür muss allerdings das Wetter und die Sicht passen. Weht der Wind zu stark, nimmt die Seilbahn schweizerischen Fabrikats ihren Betrieb erst gar nicht auf. Wie die „Chefin des Hauses“ bereits herausgefunden hatte, passte an diesem Morgen nach fünf Tagen des Stillstands alles.
Die zweite Fahrt mit dem Wagen stand an. Wieder schaffte ich mit Hilfe eines guten Stadtplanes und diversen Wegweisern ohne Umwege die relativ kurze Anfahrt zur Talstation der Seilbahn. Dank meines bereits in München ausgedruckten Tickets musste ich nicht in der langen Menschenschlange stehen, sondern konnte mich direkt zum Eingang begeben. Eine Seilbahngondel kann bis zu fünfundsechzig Personen aufnehmen und dreht sich auf der etwa fünfminütigen Fahrt einmal um die eigene Achse. Das Wahrzeichen Kapstadts befindet sich in 1087 Metern Höhe und ragt südlich des Stadtkerns auf. Oft legt sich eine weiße, dünne Wolkendecke wie ein Tischtuch auf das Plateau, was von häufig wehenden Winden begünstigt wird. Aber an diesem Vormittag zeigte sich nichts dergleichen. Alle Aussichtspunkte an den verschiedenen Natur-Rundwegen boten grandiose Ausblicke! Besucher aus aller Welt bestaunten diesen Ort, der in der Tat einiges zu bieten hat. Das spezielle Klima brachte auf engstem Raum eine schier unglaubliche Vielfalt an Pflanzen hervor. Über 2200 Arten wachsen dort! Mittags trat ich den Rückweg an. Ich wollte rechtzeitig an der Ablegestelle des Bootes ankommen, die mich zur vorgelagerten Insel Robben Island bringen sollte. Dieses berühmt-berüchtigte Eiland „beherbergte“ unter vielen tausend anderen Gefangenen Südafrikas ersten demokratisch gewählten Präsidenten Nelson Mandela. Achtzehn Jahre und sieben Monate verbrachte diese Kultfigur Südafrikas unter menschenunwürdigen Bedingungen auf diesem kargen Stück Erde. Die Rundfahrt per Bus zu einigen wesentlichen Gefängnisgebäuden und markanten Inselpunkten war aufschlussreich und bedrückend zugleich.
Auf direktem Weg begab ich mich zum Signal Hill, einem bei den Kapstädtern sehr populären Picknickort, von dem man wundervolle Aussichten sowohl auf den Tafelberg als auch auf die glitzernde Stadt genießen kann.

Freitag, 08.02.13:
Von einem ausgiebigen Frühstück gestärkt nahm ich den Tagesausflug zum Kap der guten Hoffnung in Angriff. Mein erstes Etappenziel: der kleine Strand im Dorf St. James, zwischen Muizenberg und Kalk Bay gelegen. Die bunten Strandhäuschen gaben ein pittoreskes Fotomotiv ab. Zurück im Wagen reihte ich mich direkt in meinen ersten südafrikanischen Stau ein. So briet ich vor mich hin, denn in der Zwischenzeit hatte sich mein azurblaues Osterei massiv aufgeheizt. Ich wurde langsam nervös, denn der Uhrzeiger bewegte sich unerbittlich vorwärts, und mein bevorstehendes Programm war umfangreich. Als sich der Stau in Wohlgefallen auflöste, hatte ich mehr als eine halbe Stunde Zeit eingebüßt. Nach weiteren zwanzig Minuten erreichte ich endlich mein zweites Tagesziel, die „Boulders African Penguin Colony an der False Bay im malerischen Küstenort Simon`s Town. Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, an denen man Brillenpinguine von Land aus so leicht beobachten kann wie hier. Auf hölzernen Stegen gelangte ich auf zwei Rundwegen zu diesen putzigen flugunfähigen Vögeln, ohne sie dabei in ihrem natürlichen Lebensrhythmus zu stören. Die gewaltigen Granitsteinbrocken, die dem Strand den Namen gaben, boten neben dem Federvieh selbst immer wieder hübsche Fotomotive.
Gegen 13:25 erreichte ich endlich das Tor zum Table Mountain National Park. Der Cape Point und das Kap der guten Hoffnung befinden sich innerhalb dieses Nationalparks, weshalb eine Eintrittsgebühr von 90 Rand berappt werden musste. Die Größe des Gebietes hatte ich deutlich unterschätzt. Immerhin umfasst das Gelände rund 8000 Hektar. Ehe ich mittels der Hauptstraße zum großen Parkplatz gelangte, vergingen nochmals zwanzig Minuten. Ich entschied mich zum strammen Marsch auf den Berg, auf dessen Spitze sich das sogenannte „Old Lighthouse“ befand, ein 1860 erbauter, aber längst ausrangierter Leuchtturm. Bald nach der Einweihung entpuppte er sich als Fehlkonstruktion. Mit 249 Metern über dem Meer war er viel zu weit vom Geschehen auf dem Ozean entfernt. Zudem konnte die zu geringe Leuchtkraft den häufigen Nebel sowie niedrige Wolken nicht durchdringen, wodurch sich weitere Schiffsunglücke ereigneten. Erst im Jahr 1919 konnte das „New Lighthouse“ in Betrieb genommen werden. Es befindet sich lediglich 40 Meter über dem Meer und versieht bis heute tadellos seinen Dienst. Während meines Aufstiegs in der Frühnachmittagshitze taten sich immer wieder neue, herrliche Ausblicke auf. Keinem dieser Aussichtspunkte konnte ich widerstehen. Gegen 14:45 hatte ich den Parkplatz wieder erreicht. Gerade wollte ich die eineinhalbstündige Rundwanderung zum Cape Point hoch über dem Meer in Angriff nehmen, als mir mein Herz in die Hose fiel. Meine Stofftragetasche, in der ich neben meinen beiden Reiseführern sowie dem sündhaft teuren Sonnenschutz auch ein gebundenes, dickes Heft mit der minutiös beschriebenen Reiseroute, vielen Wegbeschreibungen, den Adressen sämtlicher Quartiere sowie weiterer, wertvoller handschriftlicher Notizen trug, war weg! Hatte ich sie etwa bei einem der Fotostopps abgelegt und dann vergessen? Ich stürzte zum Auto, schaute im Kofferraum nach – nichts! Was tun? Ich entschied, den beschwerlichen Weg zum Leuchtturm noch einmal hinauf zu hetzen, obwohl meine Hoffnung relativ gering war. In meinem viel zu warmen Sweatshirt schwitzte ich, was die Poren hergaben, und der Sonnenbrand an Hals und Gesicht tat sein übriges. Der Kameragurt rieb ständig im Nacken und bereitete mir ununterbrochene Schmerzen. Die ganze großartige Atmosphäre und die positive Stimmung angesichts des historischen Ortes war hinüber. Meine Gedanken kreisten nur noch um die eine Frage: „Wo habe ich die Tasche gelassen?“ Um 15:30 kehrte ich zum Parkplatz zurück und machte mich missgelaunt auf den 90- minütigen Rundweg zum Cape Point. Ich hatte überhaupt keine Lust darauf. Außerdem tat mir alles weh. Selbst die weiteren grandiosen Ausblicke konnten mich nicht trösten. Auf dem Weg zum Ziel entdeckte ich einen Klippspringer, oder wie die Südafrikaner sagen, „Dassie“, eine Art Murmeltier. Auf dem Gipfel angelangt, bot mir der männliche Teil eines brasilianischen Pärchens an, ein Foto von mir zu machen. Er bat mich, meinen Sonnenhut abzunehmen. Ich
legte ihn zu meinem Fotorucksack und posierte für die Aufnahme. Nach einer Gedenkminute machte ich mich eiligen Schrittes auf den Rückweg. Ich kam bestens voran und hätte die angegebene Zeit für den Rundweg deutlich unterschritten, wenn… ja wenn mir nach etwa zwanzig Minuten nicht aufgefallen wäre, dass mir mein Hut fehlt. Was für ein vermaledeiter Tag! Es half nichts, Ich musste noch mal umkehren! Also wieder zurück und erneut über Stock und Stein und steil aufwärts auf den Cape Point Gipfel hoch über dem tosenden Meer. Mein Blick fiel sogleich auf den Punkt, an dem ich den Hut abgelegt hatte – nichts! Meine Augen kreisten ein paar Meter weiter und siehe da, kurz bevor ihn die nächste starke Windböe über den weiten Ozean getragen hätte, griff ich zu und setzte ihn wieder auf meinen verwirrten Kopf! Genau um 16:45 erreichte ich wieder den Parkplatz, mittlerweile zum dritten Mal. Den alten Leuchtturm sowie den Cape Point hatte ich zweimal erklommen!
Mittlerweile hatte ich beschlossen, statt weiter auf der geplanten Route an der Westküste in Richtung Kapstadt zu fahren, an der Ostküste zurück nach Simon’s Town zu den Pinguinen zu rasen, um dort nach der Tasche zu suchen. Als ich nach einer knappen halben Stunde im Rekordtempo – ein gutes Fahrtraining! – am Eingangstor eintraf, erzählte ich im Schnelldurchlauf meine Geschichte. Zum Glück waren die Verantwortlichen kooperativ und ließen mich die Holzstege noch einmal ablaufen, ohne dass ich erneut Eintritt bezahlen musste. Das Ergebnis war negativ, was mir bei klarem Kopf auch schon vorher hätte auffallen müssen. Ich hatte nämlich die Pinguinbroschüre samt Zahlungsbeleg in die Tasche gelegt. Beides war weg, was bedeutete, dass ich beim späteren Betreten des Tafelberg-Nationalparks die Tasche zwingend bei mir gehabt haben musste. Hätte ich vernünftig nachgedacht, hätte ich mir diese sinnlose Rückkehr nach Simon’s Town sparen können!
Nun ging es also wieder zurück ans Eingangstor des Nationalparks. Mittlerweile war es etwa 18:00 geworden. Der Chef zählte gerade die Tageseinnahmen, als ich ihm meine Geschichte vortrug. Auch er war verständnisvoll und ließ mich erneut einfahren. Ich erreichte den Parkplatz in Leuchtturmnähe zum vierten Mal und eilte in ein Bürogebäude, in das mich ein Parkwächter geschickt hatte. „Ich vermisse eine Stofftasche. Hat jemand etwas abgegeben?“, fragte ich aufgeregt eine junge Dame. „Ja, wie sieht sie denn aus?“, entgegnete sie bereits mit einem
Lächeln auf den Lippen. „Hell“, platzte es aus mir heraus. Strahlend überreichte sie mir das gute Stück samt komplettem Inhalt. Ein Tourist habe sie bei ihr abgegeben. Mit unendlicher Erleichterung nahm ich die Tasche mit Bobby Fischer Aufdruck entgegen. Ich hätte diese Lady vor Glück umarmen können! Kurz nach der Ausfahrt aus dem Nationalpark passierte ich eine Straußenfarm, die ich eigentlich besuchen wollte. Weiterhin hatte ich geplant, in der Hout Bay an einem Schiffsausflug zu einer Robbeninsel teilzunehmen. Auch dieser Zug war längst abgefahren. Am meisten aber schmerzte mich der Gedanke, dass ich den Wanderweg zum Kap der guten Hoffnung unten am Meer nicht mehr geschafft hatte. Welch ein Jammer! Andererseits habe ich nun einen gewichtigen Grund, erneut hierher zu reisen!
Etwas getröstet wurde ich auf der Heimfahrt durch den spektakulären Chapman’s Peak Drive, einer eng gewundenen, kurvigen Küstenstraße zwischen den Orten Noordhoek und Hout Bay, direkt in die Felsen gebaut.

Samstag, 09.02.13:
Regentropfen klopften an mein Fenster. Oder doch nicht? Ich schälte mich aus meiner Decke und fand meine Befürchtung bestätigt. Also machte ich mich bei leichtem Regen auf den Weg. Mein erstes Ziel war der „Old Bisquit Mill“, ein besonderer Tipp in meinen so nützlichen Reiseunterlagen. Dieser Markt auf dem Betriebsgelände einer stillgelegten Keksfabrik im einst ziemlich heruntergekommenen Stadtteil Woodstock bot neben frischen und lokal hergestellten Lebensmitteln Gaumenfreuden aus aller Welt sowie eine reichhaltige Auswahl an handgefertigtem Schmuck, antikem Trödel, Leder- und Haushaltswaren, Möbel, Accessoires und Bekleidung. Keine zehn Minuten dauerte die Fahrt zurück zum „Castle of Good Hope“, dem ältesten erhaltenen Steingebäude Südafrikas. Von 1666 bis 1679 wurde es als Gouverneurssitz und zum Schutz der ersten Siedler erbaut. Auf der Führung, an der ich im mittlerweile strömenden Regen teilnahm, sah ich Vorratsräume für Getreide und Munition, eine Folterkammer samt Kerker sowie ehemalige „Bäder“ der dort Internierten. Nun steuerte ich die Long Street an, die zweitälteste und berühmteste Straße der Stadt. Hier wurden vor wenigen Jahren viele der heruntergekommenen Häuser mit erheblichem Aufwand renoviert und erstrahlen heute in altem Glanz. Es bedurfte nur eines dreiminütigen Katzensprungs mit dem Wagen, um ein ganz spezifisches Viertel Kapstadts zu erreichen, das malaiische Viertel, am Fuße des Signal Hill gelegen. Charakteristisch im so genannten Bo Kaap sind die bunten, meist einstöckigen Häuser, die von Malaien bewohnt werden. Sie sind Nachfahren von Sklaven, die im 17. Jahrhundert aus Ostindien ans Kap gebracht wurden. Ein Großteil hat sich heute gutes Ansehen als Handwerker erworben.

Sonntag, 10.02.13
Dies war bereits mein letzter voller Tag in der Stadt, dieser großartigen Metropole. Aber was heißt eigentlich Stadt? Ich wollte diesen Tag einem der weltweit schönsten Botanischen Gärten widmen, dem Kirstenbosch Botanical Garden. Cecil Rhodes, der berühmte Diamantenhändler und spätere Ministerpräsident (1853-1902), vermachte 1902 dem Staat ein 528 Hektar großes Gelände, von dem etwa 40 Hektar kultiviert sind. Auf diesem kleinen Gebiet finden sich etwa 9000 der insgesamt 22000 Blumen- und Pflanzenarten, die Südafrika zu bieten hat. Dieser grandiose Park war einer der absoluten Höhepunkte der Reise, das ließ sich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt sagen. Welch einzigartige Pracht und Vielfalt! Der Kirstenbosch Botanical Garden ist zweifellos ein weiterer Grund, bald nach Kapstadt zurückzukehren!

Montag, 11.02.13:
Auf meinem Weg nach De Kelders, einem winzigen Dorf bei Gansbaai, das ich auf keiner Landkarte entdecken konnte, lautete mein erstes Etappenziel Paarl, ein kleiner Ort im weltberühmten südafrikanischen Weinanbaugebiet östlich von Kapstadt. Gleich beim Ortseingang stand mein erster Tankstellenbesuch auf dem Programm. Als einer der lustlos herumstehenden Tankwarte meine Absicht erkannte, winkte er mich sogleich herbei und wies mir den Weg zu Zapfsäule eins. Sofort machten sich drei (!) Schwarze über mein Fahrzeug her. Der Windschutzscheibenmanager „arbeitete“ mit Abstand am langsamsten. Seine Fähigkeit, das Wischgerät derart lahm über die Scheibe zu bewegen, war bemerkenswert! Ich nutzte die Zeit für einen ausführlichen Blick in die Straßenkarte, die in den Reiseunterlagen enthalten war. Und siehe da, bald darauf bekam mein Nipponflitzer anstandslos das, was er brauchte, nämlich bleifreies Benzin zum Schnäppchenpreis von 11,95 Rand pro Liter. Das entsprach genau 1,03 Euro. So machte Tanken und Autofahren richtig Spaß! Ich erkundete weiter die Weinregion und dann ging es weiter über die Orte Strand, Gordon’s Bay und Betty’s Bay schnurstracks nach Süden, alles auf gut ausgebauten Landstraßen. Die herrliche Küstenstrecke bot erneut tolle Ausblicke auf Berge und Meer.Im „Haus Giotto“ fühlte ich mich von der ersten Minute an wie zu Hause. Aus den beiden Vornamen Gina und Otto entstand der Name des Bed & Breakfasts „Giotto“.

Dienstag, 12.02.13:
Bereits um 06:15 sollte ich von einem Fahrer des „White Shark Projects“ abgeholt werden. Ich hatte einen Vormittag „Käfigtauchen nach dem weißen Hai“ gebucht. 

Von De Kelders bis hinüber nach Kleinbaai war es nur ein Katzensprung von wenigen Minuten. Für die zehn Teilnehmer aus Schweden, der Schweiz, Kanada und Deutschland gab es zunächst ein reichhaltiges Frühstück, um sich für das aufregende Ereignis zu stärken. Im Anschluss wurden wir kurz über die Sicherheitsbestimmungen und Verhaltensmaßregeln informiert. 

Allen Teilnehmern wurde beim Anlegen der Rettungsschwimmwesten assistiert. Erst dann liefen wir gemeinsam die wenigen Meter vom Büro zum Strand, an dem das vorbereitete Boot samt der achtköpfigen (!) Crew schon auf uns wartete. Während die Haisüchtigen an Bord gingen, wurden sie per Videokamera aufgenommen. Sodann wurde das Boot mittels eines starken Traktors zu Wasser gebracht. Es folgte noch eine knappe Einweisung an Bord, aber dann gab der Kapitän auch schon mächtig Gas. 

Nach einer Viertelstunde erreichten wir das Zielgebiet. Das Boot wurde geparkt, der Käfig, in dem vier Personen Platz fanden, heruntergelassen, die silberfarbigen Thunfischköpfe zum Anlocken der Haie an einen Haken gebracht, der Kanister mit Fischblut geöffnet und eine erste Ladung in eine Tonne gegossen, braune Thunfische ohne Köpfe angeschnitten und Teile davon in die Tonne geworfen sowie Wasser mit einem Eimer aus dem Meer geschöpft und in die erwähnte Tonne gegeben. 

Die Thunfischstücke wurden zerstampft und zusammen mit dem Fischblut und dem Wasser ins Meer gekippt. Die gesamte Crew war also ausgelastet. Jeder wusste genau, was er zu tun hatte. Wenige Minuten später kam auch schon die Meldung: „First Shark is coming!“ Die angerührte Mixtur hatte ihre Wirkung schneller als gedacht entfaltet. Erste Flossenaufnahmen, die aus dem Wasser ragten, entstanden, während die vier Neoprenträger auf Kommando ihre Köpfe ins grausig kalte Wasser steckten, um die Szenerie unter Wasser im Käfig mitzuerleben. Wie mir eine Tiroler Volontärin verriet, war das Wasser heute immerhin 13° „warm.“ Wenige Tage zuvor waren es gerade mal 10°. 

Diese Hingucker dauerten jeweils nur wenige Sekunden, ehe die Haie jeweils wieder abdrehten und so schnell verschwanden wie sie erschienen waren. Danach hieß es wieder Wasser schöpfen, Fischblut nachfüllen und Thunfisch stampfen. Derweil warf ein anderer unablässig einen an einem Seil befestigten Thunfischkopf ins Wasser. Diese Prozedur sollte sich den ganzen Vormittag lang wiederholen. Erst nach etwa halbstündiger Wartezeit erbarmte sich ein „großer Weißer“, zeigte dafür aber eine gute Vorstellung. Er verbiss sich in gleich zwei Thunfischköpfe und riss diese schlussendlich vom Seil ab. Wie uns später versichert wurde, war dieses Exemplar weiblich und maß etwa 3,20 Meter.

Mittwoch, 13.02.13:
Nach einem ausgiebigen Frühstück und bepackt mit taufrischen Informationen bezüglich der Fortsetzung meiner Reise verließ ich schweren Herzens diesen so gastfreundlichen Ort. Wenn die Wale hier sein werden, werde auch ich zurückkehren. Nur das Jahr ist noch unklar. Zunächst fuhr ich zurück nach Kleinbaai in das Büro einer Umweltschutzorganisation, die sich insbesondere für den weißen Hai sowie Wale engagiert. 

In dem benachbarten Restaurant hing an dicken Stahlseilen befestigt das Skelett eines „Südlichen Glattwals“ (Southern Right Whale). Gefunden wurde dieser Wal im September 2005 am nahe gelegenen Strand des Ortes Pearly Beach. Das gewaltige Tier, das eine Länge von 14 Metern aufwies, war mit einem Schiff kollidiert und hatte sich dabei mehrere Halswirbel gebrochen. Nun war es aber höchste Zeit, Richtung Kap Agulhas aufzubrechen, den südlichsten Punkt Afrikas. Viele Leute glauben, dies sei das Kap der Guten Hoffnung, was aber definitiv nicht der Fall ist. Letzteres hat sich nur zur Pilgerstätte entwickelt, weil die Umgebung mit den Felsen so spektakulär ist, während sich am Kap Agulhas keine Attraktionen dieser Art finden lassen. Allerdings befindet sich hier der Punkt, an dem der Atlantische Ozean und der Indische Ozean zusammen treffen. Bestens gestärkt machte ich mich auf die Weiterfahrt in das „De Hoop Nature Reserve“, ein über 40.000 Hektar großes Naturreservat, in dem mehr als 1400 Pflanzenarten, 63 Säugetierarten, 40 Reptilien- und 260 Vogelarten beheimatet sind.

Erreichbar war das Gebiet nur mittels einer Schotterpiste von mehr als 60 Kilometern Länge, was das Fahren zu einer mühsamen Angelegenheit werden ließ. Zudem litt mein fahrbarer Untersatz an Steinschlag, Dreckspritzern rund um die Karosserie sowie einem graubraunen Staubfilm auf Lack und Scheiben. Gegen 15:45 kam ich am Eingangstor des Gebietes an, in der Erwartung, nur noch acht Kilometer bis zu meinem heutigen Quartier vor mir zu haben. Es stellte sich aber schnell heraus, dass ich meinen schriftlichen Reiseleitfaden falsch gelesen hatte. Richtig war vielmehr, dass mir noch 293 Kilometer bis zum kleinen Ort Wilderness in der Nähe von George, direkt an der Meeresküste gelegen, bevorstanden! Ich ärgerte mich maßlos über meine schusselige und unkonzentrierte Art, den Reiseplan zu lesen. Jetzt half nur noch der berühmte Bleifuß, um noch vor der nächtlichen Finsternis in Wilderness einzutreffen. 

Zum Glück konnte ich hauptsächlich eine der großen Nationalstraßen, die N 2, nutzen. Teilweise ist diese Hauptverbindung zwischen Kapstadt und Durban und darüber hinaus zweispurig ausgebaut. Ich setzte mir Zwischenziele und erreichte mit konzentriertem Durchfahren über ziemlich genau drei Stunden um 18:55 mein Tagesziel, eine wunderschön direkt über dem Indischen Ozean gelegene Bed & Breakfast Unterkunft. Der Chef des Hauses ermunterte mich auf ein Bad im 23° warmen Ozean. So schnell konnte es gehen. Von einem Tag auf den nächsten erhöhte sich die Meerestemperatur um glatte 10°! Denn während der Atlantik an der Westküste Afrikas vom kalten Benguelastrom beherrscht wird, bringt der Agulhas Strom warmes Wasser aus dem Indischen Ozean heran.

Donnerstag, 14.02.13:
Kaum hatte ich eine sehr erholsame Nacht mit Meeresrauschen am Ohr verbracht, hieß es schon wieder Abschied nehmen. Es blieb nicht einmal Zeit, das verlockende Bad im Meer zu nehmen. Vielmehr überquerte ich einfach die Hauptstraße und landete unmittelbar am Eingang des Wilderness National Parks. Dieser Park zeichnet sich durch mehrere miteinander verbundene Seen, Sümpfe und Flussmündungen aus. Die Mischung aus Salz- und Süßwasser sorgt für eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt. Nach einem eher unbefriedigenden Aufenthalt ging es weiter nach Oudtshoorn, der Straußenmetropole Südafrikas mit Besuch einer Straußenfarm. Danach auf zur Gästefarm, in der ich die nächsten beiden Nächte verbrachte. Auch hier fühlte ich mich auf Anhieb pudelwohl.

Freitag, 15.02.13:
Pünktlich um 05:02 schwang ich mich aus den Federn, was gar nicht schwer fiel. Die Neugier auf die Erdmännchen lockte doch sehr. 

Nach der Verteilung von Camping-Klappstühlen an jeden der 13-köpfigen Gruppe bewegten wir uns gut fünf Minuten zu Fuß in das Gebiet, in dem die putzigen Kerlchen ihre weit verzweigten, unterirdischen Höhlensysteme bewohnten. Wir ließen uns rund um den Haupteingang eines dieser Höhlensysteme nieder und lauschten gebannt den Ausführungen von Grant. 

Die niedlichen Nager, die zwischen 8 und 12 Jahre alt werden, sind sozial veranlagte Tiere und leben in Gruppen von 8-24 Exemplaren, in denen jeder genau weiß, was er zu tun hat. Dabei kann jeder alle Aufgaben übernehmen. Graben, Wache schieben, Lernen, wie man die Leibspeise Skorpion richtig fängt (nämlich hinten am gefährlichen Stachel packen) und vertilgt, Artgenossen im Falle einer feindlichen Attacke zu Hilfe eilen, all das und noch mehr bekommen die Jungen von der Gemeinschaft beigebracht. Auch Rangkämpfe der nachwachsenden Generation finden statt. Mc Ilroy und sein Assistent versuchen immer schon am Vorabend herauszufinden, in welcher der bestehenden Höhlen sie denn in der folgenden Nacht übernachten werden und wo sie demzufolge am nächsten Morgen wieder auftauchen würden. Das klappt zwar oft, aber nicht immer, denn die Überlebens- und Sicherheitsstrategien dieser hochintelligenten Tiere sind verblüffend. So kann es vorkommen, dass die Gruppe den Forscher ins Leere laufen lässt, indem sie an niemals erwarteten Orten wieder auftauchen! 

An diesem Tag war aber alles wie erwartet. Plötzlich erschien der erste Vorposten am Höhlenausgang und prüfte behutsam die Lage. Er verschwand dann aber sogleich wieder, weil wir seine unsichtbare Annäherungsgrenze deutlich unterschritten hatten. Wir saßen zu dicht vor dem Höhlenausgang. Also nahm jeder seinen Campingstuhl und setzte sich etwa fünf Meter weiter nach hinten. Es dauerte keine drei Minuten, als der Späher erneut hervor lugte. Der zweite und dritte folgte bald darauf, denn Erdmännchen müssen sich aufwärmen. Deshalb erscheinen sie gerne an Punkten, die günstig zur Morgensonne liegen. In der nächsten Viertelstunde tauchte ein Exemplar nach dem anderen auf, bis die ganze Gruppe komplett war und sich eine hektische Betriebsamkeit entwickelte. An diesem Tag folgten unter anderem noch ein Besuch der berühmten Cango Caves. 

Ich war heilfroh, dass ich bereits nach wenigen Kilometern mein Quartier erreichte, denn immer schlimmere Zahnschmerzen verhagelten mir die Laune. Jedes Mal, wenn der Problemzahn aus der oberen Reihe auf einen Kollegen der unteren Kauleiste traf, hätte ich die Wände hinaufklettern können.

Samstag, 16.02.13:
Die Nacht war einfach nur schrecklich. In Knysna (sprich: „Neisna“), einem herrlich gelegenen Badeort, steuerte ich eine Apotheke an, um mir ein starkes Schmerzmittel geben zu lassen. Der kompetente Apotheker verkaufte mir eine Mischung aus Iboprofen und Paracetamol sowie eine Bakterien tötende Mundspülung. 

Programmpunkt Nummer zwei hieß Auto waschen, da der Wagen auf den Schotterpisten rundum erheblich verdreckt worden war. Ich steuerte eine Tankstelle mit „Car Wash“ an. Gleich nebenan fand ich ein nettes Lokal und bestellte mir ein köstliches Meeresfrüchte-Curry. Mit frischem Schwung bewältigte ich die letzten vierzig Kilometer bis Plettenberg Bay, fand direkt zum Quartier und checkte kurz vor 16:00 ein. Auch hier war die Atmosphäre äußerst positiv. Lauter nette Menschen boten mir eine Fülle von Dienstleistungen an! Ich erkundigte mich nach der Robberg-Halbinsel mit den dort vorhandenen Seehunden. Die letzte Bootstour war um 14:30 gestartet. Eine strahlende junge Dame erklärte mir dafür drei schöne Wanderwege zum Meer, für die es noch nicht zu spät war. Eine hübsche Alternative, dachte ich mir. Auf geht’s, denn heute hatte ich außer Autofahren überhaupt noch keine Aktivität entwickelt. 

Ich verließ das Lodgegelände, fuhr etwa einen Kilometer Richtung Meer und bog dann rechts in die empfohlene Straße ein. Im nächsten Moment fuhr ich auch schon auf den linken Randstein! Ehe ich meinen Gedanken „Hoffentlich hat der Reifen das ausgehalten!“ zu Ende denken konnte, war auch schon sämtliche Luft entwichen! Ich ärgerte mich innerlich. Fluchen hätte nichts an der Lage geändert. Vielmehr war jetzt ein kühler Kopf gefragt. Was mache ich jetzt? Wie geht es weiter? Ich entschloss mich, langsam mit Warnblinkanlage zurück in die Lodge zu rollen, um dann zunächst die Mietwagenfirma in Kapstadt anzurufen. Als ich die Zufahrt fast erreicht hatte, wurde ich von einem Sicherheitsmann des benachbarten Edel-Golfclubs von Plettenberg Bay gesehen. Er winkte mich sofort überaus freundlich zu sich, stellte keine einzige Frage, sondern fing sofort an, sich um den Reifenwechsel zu kümmern. 
Mittlerweile war es 16:45 geworden, und ich unternahm einen zweiten Anlauf, heute noch etwas zu sehen. Das Tor zu diesem kleinen Landschaftsschutzgebiet war rasch erreicht. Ich wählte den mittellangen Wanderweg, der auf dem ausgehändigten Faltblatt mit zwei Stunden kalkuliert war. 

Die Wegstrecke, die Landschaft und die Ausblicke aufs Meer übertrafen meine Erwartungen bei weitem. Ich war begeistert.

Sonntag, 17.02.13:
Nach über achtstündigem Schlaf nebst ausgiebigem Frühstück und mit stark reduzierten Schmerzen startete ich bestens gelaunt Richtung „Monkeyland“, einem 12 Hektar großen Primatenschutzgebiet in einem Wald bei der kleinen Ortschaft „The Crags“, 18 Kilometer von Plettenberg Bay, Richtung Osten an der Nationalstraße 2 gelegen. 

Monkeyland bietet verschiedenen Affenarten aus aller Welt, die früher in Gefangenschaft leben mussten, ein neues Zuhause. Damit die Tiere wieder glücklich in Freiheit leben können, müssen ihre natürlichen Instinkte reaktiviert werden. Deshalb ist die behutsame Wiedereingliederung in die Affengemeinschaft von immenser Wichtigkeit. Einen Katzensprung entfernt lag das „Birds of Eden“, in der Tat ein Vogelparadies erster Güte. Mit zwei Kubikhektar bietet es die größte Vogelfreiluftkuppel der Welt. Über den angelegten Wald wurden riesige Netze gespannt, wodurch sich die Vögel wie in Freiheit bewegen konnten und keiner Einschränkung unterlagen. Aussichtsplattformen, verschiedene Futterhäuschen und eine Hängebrücke von 126 Metern Länge boten verschiedene Gelegenheiten, die Vogelwelt ungestört zu beobachten. Da es erst Frühnachmittag war, gönnte ich mir gleich um die Ecke das „Elephant Sanctuary.“ Dabei handelte es sich um eine Auffangstation für gerettete oder gestrandete Elefanten. Beispielsweise hatte der Krüger Nationalpark vor einem halben Jahr zwei Elefanten „geliefert“, da diese im dortigen Nationalpark überhand genommen haben. Ein anderer Dickhäuter war mit seinem Rüssel in eine Antilopenfalle geraten und verlor dabei den unteren Teil seines empfindlichen Riechorgans, der so vielseitig verwendbar ist. 

Der Park bietet seinen Besuchern unter anderem einen „Rüssel-in-der-Hand-Spaziergang“ an. Weiterhin gab es die Gelegenheit, die 2,5 cm dicke Haut der Dickhäuter anzufassen, ihnen hinter die Ohren zu schauen oder ihre lange Zunge samt Zahnreihen zu sehen. Ich hatte die Ehre, die Elefantendame „Tandi“ am Rüssel spazieren zu führen. Abgesehen von dem Dreck am Rüsselende und dem etwas unangenehmen „Wind“ beim Ausatmen war es eine gute Erfahrung! Wärter Innocent betete mir derweil die komplette Mannschaftsaufstellung inklusive Trainer und Stadionname von Bayern München herunter, als er erfuhr, dass ich aus München komme.

Montag, 18.02.13:
Das Weckerstellen hätte ich mir sparen können. Kurz vor 06:00 war die Nacht automatisch zu Ende. Eine halbe Stunde später machte ich mich wieder auf den Weg nach The Crags, um das vierte Tierprojekt in dieser Gegend, das „Tenikwa Wildlife Awarenesscentre“ zu besuchen. Tenikwa bietet seinen Besuchern die Möglichkeit, insbesondere die vom Aussterben bedrohten Klein- und Großkatzen ganz nahe zu erleben und zu fotografieren. 

Weiterhin ist Tenikwa aber auch ein Rehabilitationszentrum, in dem sich Tierärzte und Pfleger um verletzte Tiere kümmern. Diese Tiere werden nach vollständiger Genesung wieder ausgewildert. 

Der erste Teil bestand aus einem Spaziergang durch ein Waldgebiet mit einem Geparden. In einer kurzen Einführung wurden die wichtigsten Verhaltensmaßregeln besprochen: Immer neben oder hinter der Wildkatze laufen, immer dem Willen des Geparden nachgeben, also nicht an der Leine zerren, nicht in die Augen schauen, was das Raubtier herausfordern könnte. Zudem gab es für alle Teilnehmer ein striktes Sonnenbrillenverbot. Sieht nämlich ein Gepard einen Artgenossen, und wenn es nur als Spiegelung in Sonnenbrillengläsern ist, könnte das Tier eine unangenehme Frage stellen: „Was machst Du in meinem Territorium?“ Und im nächsten Moment könnte man die Katze im Gesicht haben! So ging es eben ohne Sonnenbrille zum Gassi gehen. 

Zusammen mit meinen Guide erwischte ich eine recht faule Gepardendame von fünf Jahren, die sich besonders anfangs alle paar Meter auf den Boden legte, vor sich in schnurrte und einfach nur gestreichelt werden wollte. Also knieten wir uns beide nieder und taten ihr den Gefallen. Anfangs war ich natürlich etwas unsicher und tat nur das, was der Guide ebenfalls tat. Aber schon bald spielte sich alles ein, und ich fand meinen Gefallen im Umgang mit diesen so eleganten Tieren. 

Geparden werden maximal 15 Jahre alt, wenn sie ihr Leben ohne natürliche Feinde wie Löwen und Leoparden verbringen können. In freier Natur erreichen sie durchschnittlich nur eine Lebensdauer von 7 Jahren. Zudem leiden sie unter einem schwachen Immunsystem, was sie für Infektionskrankheiten anfällig macht. Ein weiteres Problem stellt die fortschreitende Einschränkung ihres natürlichen Lebensraums dar. 

Nach der etwa einstündigen Gassirunde und einer kurzen Snackpause schloss sich ein Rundgang zu allen fünf Katzenarten an. Damit war Tenikwa zweifellos ein weiterer Höhepunkt dieser Reise.

Dienstag, 19.02.13 und Mittwoch, 20.02.13:
Der Abschied von der Redbourne Country Lodge fiel schwer. Eine freundlichere Behandlung, wie sie mir hier widerfahren war, konnte ich mir kaum vorstellen. Nach einem abermals köstlichen und üppigen Frühstück, das ich noch dazu fast frei von Zahnschmerzen genießen konnte, machte ich mich auf den Weg zurück nach Knysna, wo ich spätestens um 09:45 an der Schiffsanlegestelle erscheinen musste. 

Ich hatte großzügig geplant, um auf jeden Fall pünktlich zu sein. Bereits um 09:10 traf ich am Zielort ein. Zusammen mit etwa 100 anderen Passagieren bestieg ich gegen 09:45 einen Kahn mit dem stolzen Namen „Spirits of Knysna“. Damit war das Schiffchen voll besetzt. Während der zwanzigminütigen Fahrt längs durch die Lagune erfuhren wir von einer pfiffigen Reisebegleiterin einiges über die Gegend rund um Knysna. Kurz vor der Ausfahrt ins offene Meer legten wir an der rechten Uferseite an, um das „Featherbed Naturreservat“ zu erreichen. Einst war hier ein Segler gestrandet und musste notgedrungen in diesem artenreichen Wald übernachten. Als er tags darauf gefragt wurde, wie er denn geschlafen habe, antwortete er: „Es war so schön wie in einem Federbett!“ 

Die Touristenmasse verließ das Schiff Richtung Wald, der auf einem schmalen, steilen Pfad durchschritten wurde. Wo war ich denn hier gelandet? Das war doch schon arg pauschaltouristisch angehaucht und entsprach somit so gar nicht meinen Vorstellungen. Immerhin war die Sonne herausgekommen, wonach es bei der Abfahrt nicht ausgesehen hatte. Nach wenigen Minuten erreichten wir eine Anhöhe, auf der zwei Unimogs mit jeweils zwei Anhängern warteten. Jeder dieser Anhänger konnte etwa 25 Personen aufnehmen. 

Im Schritttempo bewegten sich diese Unimogs auf einem steilen Weg weiter nach oben und verbreiteten einen sattsam bekannten Dieselgestank, der zwangsweise in meine Nase kroch. Zum Glück konnte ich diesem merkwürdigen Gefährt nach einigen Minuten entsteigen. An einem Aussichtspunkt gab es Gelegenheiten, Fotos zu schießen.

Nach einem weiteren Fußmarsch durch den wirklich herrlichen und kühlenden Wald mit den hier oft vorkommenden Milchholzbäumen erreichte die Touristenmasse einen zweiten Aussichtspunkt, der neue, grandiose Perspektiven bot. Spätestens jetzt hatte ich mich mit diesem Ausflug angefreundet. Und es wurde noch besser, je weiter wir zu Fuß in Richtung Wasser vorankamen. Voller Begeisterung machte ich weitere Aufnahmen von bizarren Felsformationen und durch Felsöffnungen hindurch auf die tosende Gischt und die offene See.

Längst war ich wegen meines Fotografierens am Ende der Gruppe angelangt. Als ich Seehöhe erreicht hatte, war der Anschluss an die Masse zum Glück schon abgerissen. So konnte ich nach Herzenslust auch an den attraktiven Standorten abdrücken. Der erreichte Weg führte ohne viel Anstrengung zum Ausgangspunkt zurück, wo ein warmes Büffet vom Feinsten wartete. Mir war das Essen im Rahmen dieses Ausflugs gar nicht mehr bewusst. Sehr angenehm! So stieg ich hochzufrieden mit dem fotografischen Ergebnis dieses Vormittags wieder auf das Ausflugsboot, das uns sicher wieder auf die andere Seite der Lagune zurückbrachte.

 Mein Tagesziel lautete „Tsitsikamma National Park“, 95 Kilometer von Knysna entfernt. Der Name Tsitsikamma stammt aus der Khoikhoi-Sprache und bedeutet „klares Wasser.“ Der Park zieht sich 80 Kilometer an der Südküste entlang. Wegen der häufigen Niederschläge gibt es eine üppige Vegetation mit dichtem Wald, meterhohen Farnen und bis zu 40 Meter hohen Bäumen. Damit ist er einer der letzten Urwälder Südafrikas.

Donnerstag, 21.02.13:
Strahlender Sonnenschein am frühen Morgen machte mir den Abschied schwer. Der Park schien mir zu sagen: „Bleib doch noch einen Tag, nachdem Du Dich mit mir angefreundet hast!“ Aber es half nichts. Das Amakhala Game Reserve rief, und ich rollte an. Nach dreistündiger, reibungsloser Fahrt traf ich bereits gegen 11:45 am letzten Ziel meiner Reise ein. Die letzten drei Kilometer schlängelte ich mich auf einem einspurigen Schotterweg im Schritttempo durchs Buschwerk. 

Wie fast immer auf dieser Reise war der Empfang herzlich. Noch an der Rezeption wurde mir ein fruchtiger Begrüßungscocktail überreicht. Das niederländische Betreiberpärchen des „Woodbury Tented Camps“ zeigte mir alle Örtlichkeiten von Bedeutung und wiesen mir den Weg zu meinem Zelt Nr. 1. Endlich fand ich Zeit, fleißig an meinen Bildern zu arbeiten, bevor es um 14:45 Mittagessen gab. Alle aktuellen Besucher des Camps, in diesem Fall 16, versammelten sich an einem großen Tisch. So entstand natürlich schnell Kontakt. Vertreten waren die Länder Deutschland, Dänemark und England. 

Auf 16:00 war die erste Pirschfahrt angesetzt. Ich war ziemlich entsetzt, als ich ein Safarifahrzeug besteigen musste, das acht anderen Passagieren Platz bot. In drei Sitzreihen à drei Personen drängelten sich die Safarienthusiasten. Mein Gesicht wurde noch länger, als ich mitbekam, wie groß die Distanzen vom Fahrtweg zu den Tieren waren. Zudem schien das Wild hier eine deutlich höhere Fluchtdistanz zu 
haben als beispielsweise in Tansania. 

Leierantilopen, Kudus, Warzenschweine & Co. flohen umgehend in die Büsche, wenn sie unser Fahrzeug wahrnahmen. Als ich vernahm, dass man zum Fotografieren nicht einmal aufstehen darf, war ich ziemlich bedient. Die Fahrt durch das 6000 Hektar große Gelände entwickelte sich dann aber doch recht positiv. Es gab überraschend viel zu sehen: eine Leopardenschildkröte, Oryxantilopen, mehrere Schabrackenschakale, „an jeder Ecke“ Giraffen, Elandantilopen, die relativ seltenen und gefährdeten Weißschwanzgnus, ein Erdmännchen, das unvermeidliche Helmperlhuhn, Buschbock oder auch Schirrantilope, eine Gruppe von Impalas oder Schwarzfersenantilopen, friedlich grasende Büffel, mehrere Gruppen von Warzenschweinen und eine Reihe verschiedener Vogelarten. Die fotografische Ausbeute war allerdings recht mager, da sich das Wild häufig zu weit von den Wegen aufhielt. Die Guides hatten striktes Querfeldeinverbot, während es mir an ausreichender Brennweite mangelte. 450 mm waren deutlich zu wenig. 

Erfreulich war hingegen die Dauer des Game Drives. Rund vier Stunden waren wir unterwegs, um die Wildnisbewohner aufzuspüren. Allerdings hatte ich nicht bedacht, dass es nach Sonnenuntergang so kalt werden würde. Der Fahrtwind tat sein übriges. Selbst mit Sweatshirt fror ich wie ein Schneider. Glücklicherweise wurden für alle Fahrgäste im Wagen wärmende Ponchos mitgeführt, die die Kälte deutlich milderten. Das erneut vorzügliche Essen ließ mich dann rasch wieder aufleben.

Freitag, 22.02.13:
Um 04:45 wachte ich quietschfidel und ausgeschlafen auf. Wie schon gewohnt, fügte unsere kompetente Fahrerin und Rangerin Debbie lehrreiche Informationen zu allen Tieren, die wir sahen, an. So faltet der Schlangenhalsvogel seine Flügel auf, um sie von der Sonne trocknen zu lassen. Er besitzt auch besonders starke Halsmuskeln, um auf der Fischjagd fest zustoßen zu können. Der Haubenzwergfischer besitzt dafür außergewöhnliche Sehqualitäten unter Wasser. 

Später folgte ein absoluter Höhepunkt: Meine ersten Nashörner in der Wildnis! Und noch dazu Mutter mit Kind! Durch den aufmerksamen Blick des dänischen Familienvaters entdeckten wir zwei Geparden unter einem Busch liegend. Friedlich dösten sie vor sich hin und ließen sich durch uns nicht aus der Ruhe bringen. Mit den üblichen Antilopenarten, vereinzelten Giraffen sowie Zebras ergab das eine wirklich hervorragende Pirschfahrt. 

Die Zeit bis zur Nachmittagsausfahrt nutzte ich intensiv zur Bildbearbeitung. Das erste Ziel für den Nachmittag lautete Löwen. Da die beiden einzigen Exemplare des Gebietes am anderen Ende des Schutzgebietes lebten, war eine lange Anfahrt vonnöten. Auf dem Weg dorthin gab es zunächst wenige Stopps. Hier eine Leierantilope, dort ein vorbeihuschendes Warzenschwein oder ein verschreckt losfliegender Singvogel. 

Doch dann: Zu Beginn eines steilen Anstiegs gab es unerwarteten Gegenverkehr: Der Elefantenbulle „Norman“ lief uns eiligen Schrittes auf dem schmalen Fahrtweg entgegen. Da gab es keine Diskussion. Wir mussten schleunigst umdrehen. Aber wie? Debbie, die vielbelesene Rangerin, reagierte goldrichtig und fuhr zunächst etwa 300 Meter rückwärts den Berg hinab, denn für eine Umkehr blieb kein Platz. Sie platzierte den Safariwagen hinter der nächsten Weggabelung und wir hofften alle, dass Norman vorher links oder rechts ins Grüne abwandern würde. 

Aber der mächtige Dickhäuter dachte nicht im Entferntesten an eine Routenänderung. Zielsicher setzte er seinen Weg von dem Hügel herunter fort und steuerte erneut direkt auf uns zu. Wieder musste Debbie gut 400 Meter zurücksetzen. Diesmal konnten wir uns etwas hinter einem höheren Busch verschanzen und siehe da: Der Sechstonner wählte an der nächsten Weggabelung einen anderen Weg. Wir nutzten unsere Chance und fuhren ab sofort wieder vorwärts, weg von dem grauen Koloss! Puh – Das war nicht ohne. Wären wir ihm zu nahe gekommen, hätte es richtig gefährlich werden können. Elefanten mögen es nämlich gar nicht, wenn man ihren Weg kreuzt oder diesen gar benutzt. Sie werten das als Eindringen in ihr Revier und in ihr unmittelbares Umfeld. 

Wenig später erreichten wir das Löwengebiet, und prompt lag das Pärchen links des Weges gut getarnt im hellgelben Gras. Ich entdeckte die beiden und rief Debbie zu, sie solle anhalten. Er war ein absoluter Prachtkerl und wachte wie ein wahrer Chef über sein Revier. Welchen Stolz, welche Macht er ausstrahlte! Löwen schlafen 20 Stunden am Tag. In den restlichen vier Stunden wird gejagt, für Nachwuchs gesorgt oder das Revier gegen Konkurrenten aus dem eigenen Lager verteidigt. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Löwen in Freiheit beträgt nur zehn Jahre, hauptsächlich wegen der ständigen Rivalenkämpfe. Ich genoss die erhabenen Könige der Tiere und dokumentierte sie vielfach auf meinem Kamerasensor.

Auf der Rückfahrt wohnten wir einer großartigen Giraffenszenerie bei. Eine ganze Gruppe hatte sich zusammengefunden und rupfte unablässig Blätter von ihrem Lieblingsbaum, der Dornenakazie. Mit ihren Lippen und der bis zu 45 cm langen Zunge gehen sie dabei so geschickt vor, dass Verletzungen an den extrem harten und langen Dornen vermieden werden. Als die Dämmerung bereits eingesetzt hatte, legten wir eine kurze Pause ein, um uns die Beine zu vertreten. Dabei entdeckten wir per Fernglas am Horizont eine vierköpfige Familie von Schabrackenschakalen, die spielend herumtollte. Wenige Minuten später liefen sie fast vor unseren Füßen herum. Dabei konnte ich die ansonsten ziemlich scheuen Kameraden gut ablichten. So fand ein außerordentlich vollgepackter Nachmittag seinen krönenden Abschluss!

Samstag, 23.02.13:
Wieder war um 05:30 Wecken angesagt. Über die kleine Leiter auf den Autositz und ab ging’s! Im Morgengrauen erwischte ich einen prächtigen Sekretärsvogel, dessen Farben in der Frühe leider nicht recht zur Geltung kamen. Unser Hauptziel an diesem Vormittag lautete aber Geparden. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir die wie immer scheuen Warzenschweine, ein paar grasende Zebras, eine jugendliche grüne Meerkatze in einem Baum sitzend, eine Gruppe Strauße, eine Leierantilope, drei Ellipsenwasserböcke (Waterbuck), einen Rotkehlfrankolin (Red-necked Spurfowl), einen winzigen Dreiband-Regenpfeifer (three-banded plover) sowie einen schwarzen Habicht (Black Harrier). 

Und dann lagen sie da, mitten auf der Straße: ein prächtiges Bruderpaar, das alle Zeit der Welt zu haben schien. An ein Weiterfahren auf dieser Route war nicht zu denken. Aber zunächst einmal wollten wir das Glück des Augenblicks genießen. Debbie packte wieder einiges von ihrem unendlichen Fachwissen aus, und die Kameras wurden gezückt.

Auf der Rückfahrt Richtung Zeltcamp erlebten wir eine Warzenschweinschwemme. Jedoch gelang es mir nicht, auch nur ein einziges, brauchbares Foto zu produzieren!
Ebenfalls in viel zu großer Entfernung tummelten sich Springböcke, eine Lieblingsspeise der Geparde sowie einige Zebras. Dafür posierte eine Giraffe mit einem Madenhacker auf ihrem Rücken direkt neben dem Fahrweg. Erneut neigte sich ein inhaltsreicher Vormittag seinem Ende zu.

 Die inzwischen homogene und eingespielte Neunertruppe aus Dänemark, USA/Deutschland , England und Deutschland machte sich nachmittags auf den Weg zu einer ausgedehnten Fußpirsch, eingerahmt von zwei Kanufahrten auf dem Bushmans River, der sich durch einen Großteil des Reservats schlängelt. Die letzte Stunde des Nachmittags gehörte dann wieder der Tierbeobachtung vom Safarifahrzeug aus.

 Zusammen mit Barbara und Karolin die aus Weilimdorf stammen, später aber in die USA ausgewandert sind, teilte ich mir ein Zweisitzerkanu. Karolin, die vorne Platz genommen hatte und ich übernahmen die Paddelarbeit, während Mutter Barbara bequem in der Mitte saß und uns anfeuerte. Auch Steuermannarbeit war dringend gefragt, denn Karolin und ich harmonierten zumindest anfangs gar nicht recht miteinander. Mehrfach näherten wir uns gefährlich dem linken oder auch rechten Ufer. 

Wir lernten jedoch rasch dazu und hatten dann sogar noch Zeit, einige kleine grüne Meerkatzen in den Uferbäumen auszuspähen. Während der Rückfahrt, auf der Karolin und ich unsere mittlerweile ausgefeilte Paddeltechnik demonstrierten, legten wir auf halbem Weg eine kleine Picknickpause ein. Nachdem wir den Rest der Kanustrecke hinter uns gebracht hatten, folgte die ausgedehnte Fußpirsch, auf der Gun, der Chef des Woodbury Tented Camps sowie Debbie fachkundige Kommentare zu Flora und Fauna gaben. 

Hier waren mehr die kleinen Dinge wie Termitenhügel, Giraffendung oder Duftmarken der braunen Hyäne an einem Grashalm gefragt. Eine Gruppe von Elenantilopen nahmen vor dem Homo Sapiens auch dann Reißaus, als er einmal nicht auf vier Rädern heranbrauste, sondern auf zwei Beinen daherkam. Nach Abschluss der Fußpirsch hängten wir als Zugabe noch eine Stunde Pirschfahrt mit dem Safariwagen dran. Was für ein intensiver Safaritag!

Sonntag, 24.02.13:
An den Tagesbeginn um 05:30 hatte ich mich längst schon gewöhnt. Frisch und munter startete ich mit den üblichen Verdächtigen in den Tag. 
Das Beste, was mir aber an diesem Vormittag gelang, war eine ganze Fotoserie von Elefantenbildern. Die Dickhäuter nahmen ihr verspätetes Frühstück an saftig-grünem Buschwerk ein. Eines der Jungtiere vergriff sich jedoch bei der Essenswahl. Er zerrte einen schwarzen Wasserschlauch aus dem Boden und versuchte, etwas mit der unbekannten Eroberung anzufangen. Bald darauf erkannte das intelligente Tier, dessen Hirn ein Gewicht von bis zu 5,8 kg erreichen kann, dass der Schlauch nicht auf seine Speisekarte gehörte und ließ das sperrige Ding wieder fallen. Begeistert kehrte ich zusammen mit den anderen ins Zeltquartier zurück.

Montag, 25.02.13:
Ein letztes Mal war die Nacht um 05:30 zu Ende. Es ist kein schlechter Rhythmus, weil so der Tag optimal genutzt werden kann. Wie jeden Tag bemühte sich Debbie pausenlos, um interessante Informationen und Anekdoten aus der Tier- und Pflanzenwelt an Mann und Frau zu bringen. Wird zum Beispiel ein Junghengst aus einer Zebragruppe frech und macht dem männlichen Leittier eine seiner Damen streitig, wird ihm gnadenlos sein bestes Stück abgebissen! Somit kann jeder aus dem Verband sofort erkennen, was sich für ein Schlingel in der Gemeinschaft befindet. Es war auch genug. Ich genoss ein letztes Frühstück auf der Sonnenterrasse und nahm um kurz nach 11:00 schweren Herzens Abschied von diesem wunderschönen Fleckchen Erde. 

Nach einer gemütlichen Autofahrt über eine Stunde traf ich gegen 12:15 bei der Mietwagenstation am Flughafen in Port Elizabeth ein. Die gesamte Rückreise zehrte gewaltig an meinen Kräften. Sie zog sich insgesamt 17 Stunden lang hin. So fand meine überaus inhaltsreiche Südafrikareise am 26.02.13 gegen 16:00 ihren Abschluss. Afrika, ich komme wieder!